Interview: Marina über LOVE & FEAR

Im Jahr 2010 hatte Marina Lambrini Diamandis als Marina and the Diamonds mit ihrem Debütalbum „The Family Jewels“ ihren Durchbruch. Es folgten zwei weitere Alben. Doch dann genehmigte sich die walisisch-griechische Sängerin eine Pause. Jetzt ist sie zurück, hat jedoch ihren Künstlernamen abgelegt und nennt sich folglich nur noch schlicht Marina.

Dieser Wandel kommt passend zu der Veröffentlichung ihres vierten Studioalbum „LOVE & FEAR.“ Für die Sängerin war es an der Zeit, ein neues Kapitel aufzuschlagen. „Wenn man so wie ich eine Künstlerin ist, neigt man unbewusst dazu, sich manchmal hinter seinem Künstlernamen zu verstecken. Ich habe mir in den 3 Jahren Auszeit viele Gedanken dazu gemacht, wie ich wieder Musik machen möchte und erkannt, wie viel meine Identität mit dem Namen zusammenhängt. Jetzt fühle ich mich viel wohler, nur mit meinem Vornamen: Marina.“

„LOVE & FEAR“ ist in zwei Parts aufgeteilt – wie der Name schon erahnen lässt. Die ersten acht Songs handeln von der Liebe, acht weitere Lieder wiederum von Angst. Die Idee dazu kam Marina, nachdem sie einen 6-monatigen Psychologiekurs an der Londoner Uni belegt hat. „Dort habe ich von der Theorie gehört, dass es nur zwei grundsätzliche, menschliche Emotionen gibt: Liebe und Angst.“ erzählt sie. „Ich finde das sehr interessant und konnte meine Lieder ganz klar danach in zwei Alben einordnen.“

Doch, auch wenn es der Titel vermuten lässt, handelt das Album nicht nur von den zwei großen Themen der Liebe und der Angst. „Es gibt viele verschiedene, ein großes Thema ist zum Beispiel der Sinn bzw. das Gefühl zu haben, diesen nicht zu kennen. Es geht darum, mit Unsicherheiten klar zu kommen, worin ich überhaupt nicht gut bin.“
Erstmals wird Marina in ihrer Musik aber auch politisch. „Ein anderes Thema ist die Einheit und wie das politische System immer nur die Unterschiede zwischen Menschen und Kulturen heraushebt. Für mich klingt das sehr rückwärtsgewandt und einfach falsch!“

Einen Großteil der Songs hat Marina in L.A. geschrieben und dort auch mit langjährigen befreundeten Songwritern zusammengearbeitet. Doch trotz der lebendigen Songwriting-Community, die es laut Marina in der kalifornischen Metropole gibt, sei der Entstehungsprozess von „LOVE & FEAR“ sehr unstetig gewesen. Manchmal schrieb sie einen Monat am Stück an Songs, dazwischen aber auch mal gar drei Monate lang gar nicht.

Entstanden sind letztlich Lieder, die vor allem durch bestimmte Gefühlszustände geprägt wurden. So wie „Handmade Heaven“, welches das Gefühl des Verloren-Seins behandelt: „Ich wusste nicht, was ich mit meinem Leben machen soll, ich hatte viel Freizeit und bin immer in diesen kleinen Park gegangen. Dort habe ich mich auf die Natur besonnen, auf all die Dinge, die nicht in meiner Hand liegen, um mich besser zu fühlen. Aus diesem Zustand heraus habe ich den Song dort im Park geschrieben.“
„Superstar“ hingegen sei entgegen des etwas irreführenden Titels ein Liebeslied. „In Superstar geht es darum, den Menschen, den man liebt, als den eigenen Superstar anzusehen. Es geht hier also keineswegs ums Berühmt- oder Popstar-sein, es ist einfach ein Liebeslied.“

Es sind aber auch Lieder wie „Orange Trees“, die das Album ausmachen, in dem sich Marina auf ihre griechischen Wurzeln zurückbesinnt. „In Orange Trees geht es um die kleine griechische Insel, von der ich komme. Es geht um einen Ort, wo du dich zuhause fühlst, wo du hingehörst. Für mich ist diese Insel einer dieser Orte, an dem ich mich so wohl fühle. Ich war früher jeden Sommer dort, habe meine Großeltern und Verwandten besucht.“

Im Gegensatz zu früher sei ihre heutige Musik nicht mehr unbedingt experimentell, wie sie erklärt, sondern viel mehr modern und damit auch vielsphärischer und elektronischer. „Trotzdem hoffe ich, dass sie zugleich menschlich und organisch klingt.“

Der erste Teil des Doppelalbums „LOVE“ erschien bereits am 4. April 2019, ehe „FEAR“ am 26. April 2019 folgte.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

%d Bloggern gefällt das: