Interview mit Cole Becker von SWMRS

Übersetzt von Nina Menken

Als ich hörte, dass die wunderbaren SWMRS während ihrer Tour mit All Time Low in meiner Stadt spielen würden, war für mich klar, dass ich mit ihnen ein Interview machen muss – die Band ist sozusagen the hottest shit momentan. Doch eigentlich machen sie schon seit gut 13 Jahren Musik zusammen, was eine verdammt lange Zeit ist, wenn man bedenkt, dass die Bandmitglieder gerade mal Anfang 20 sind. Als Cole Becker (Gesang, Gitarre), Max Becker (Gesang, Bass) und Joey Armstrong (Drums) – allesamt wahre Punkkids aus Oakland, Kalifornien – The Cystic Fibrosis Foundation 2004 unterstützen wollten, gründeten sie ihre erste Band, Emily’s Army: Max’ und Coles Cousine leidet an dieser Krankheit, deshalb gab die Band sich ihren Namen. Nachdem sie eine Weile mit Travis Neumann getourt sind und zwei Platten mit Joeys Vater Billie Joe Armstrong von Green Day aufgenommen haben, trennten sie sich 2014 von Travis, Seb Mueller kam am Bass dazu, während Max zur Lead Gitarre wechselte.
Die neue Besetzung gab ihnen die perfekte Chance für einen kompletten Neuanfang: SWMRS waren geboren. 2015 und 2016 wurden zu den bisher wichtigsten Jahren der Band. Eine EP mit der Single „Miley“, eine verrückte Punkrock-Hommage an Miley Cyrus, wurde veröffentlicht und bescherte der Band eine gewisse Mainstream Berichterstattung. Danach nahmen sie ihr episches Album „Drive North“ mit Fidlars Zac Carper auf, auf dem der gleichnamige Track zu finden ist, welcher manche Leute dazu brachte, Fake L.A. zu verlassen, um in die authentischere Bay Area im Norden Kaliforniens zu fahren. Das Album wurde 2016 auf ihrem eigenen Independent Label „Uncool“ veröffentlicht. Am Ende des Jahres beschlossen SWMRS jedoch, bei dem einflussreichen Rock Label Fueled By Ramen (Twentyone Pilots, Paramore, All Time Low), zu unterschreiben und ihr Album mit dem neuen Track „Lose It“, sowie der Punkrockhymne „Palm Trees“ noch einmal zu veröffentlichen.

Seit März haben Cole und seine Bandkollegen in Europa als Support von All Time Low getourt – und damit fast alle Shows der Tour ausverkauft. Ich habe sie in Köln gesehen und es war absolut fantastisch. Das Review könnt ihr HIER lesen. Leider konnten wir damals kein Interview machen, aber nur ein paar Tage später konnte ich mit Sänger Cole ein ausführliches Gespräch am Telefon führen, als die Band in Hamburg war. Wir haben über die Tour mit All Time Low gesprochen, wie sehr der East Bay Punk SWMRS beeinflusst hat, ob Alkohol und Kokain das ist, was SWMRS auf Tour brauchen, wie Zac Fidlar Cole traumatisiert hat und über so viele andere coole Themen, für die es eine weitere Seite benötigen würde, sie aufzuzählen. Also, warum lest ihr nicht einfach mein ganzes Interview hier?

Wie war die Tour bisher?

Cole: Es ist richtig gut, I liebe es hier. Es ist ziemlich cool einer Band wie All Time Low zuzuschauen, die genau wissen, wie es ist, diese größeren Hallen zu spielen und wir lernen dabei sehr viel.

Sind sie cool?

Cole: Sie sind tolle Jungs.

Hängt ihr auch öfter zwischen den Shows zusammen ab?

Cole: Ja, eigentlich immer!

Das ist toll! Habt ihr auch Zeit mal die Stadt auszuchecken, in der ihr spielt?

Cole: Manchmal, aber wir teilen unseren Tourbus mit Waterparks in England, also können wir da vielleicht mehr auschecken. Hier haben wir einen Van, also hatten wir nicht wirklich Zeit, uns etwas anzuschauen. Aber was wir bisher gesehen haben, gefiel uns.

Und ihr habt einen ganz schön verrückten Tourplan, oder? Ihr seid von Köln nach Amsterdam, dann nach Berlin und jetzt nach Hamburg gereist.

Cole: Ja.

Ihr tourt durch ganz schön viele Städte in einer ziemlich kurzen Zeit.

Cole: Ja, wir sind super beschäftig. Das ist alles, was wir uns wünschen können.

Was macht ihr, um auf Tour gesund zu bleiben?

Cole: Ich mag es, spazieren zu gehen. Ich gehe einfach ein bisschen herum. Manchmal, wenn ich genügend Energie dazu habe, gehe ich auch joggen. Seb geht jeden Tag laufen, Max geht ziemlich viel ins Gym, Joey auch. Wir essen alle sehr gesund. Das ist so das Wichtigste, was wir tun. Wenn du jeden Abend spielst, hast du zwei Optionen, wie du dich verhalten kannst, wenn du immer genug Energie für viereinhalb Monate haben willst: Entweder du trinkst, hast Spaß und nimmst irgendwann Kokain, um dich selbst wach zu halten. Oder, wenn du so bist wie wir und sämtliche andere Bands, dann gehst du laufen und isst gesund und versuchst zur richtigen Zeit zu schlafen.

Ihr sei alle noch sehr jung. Wollt ihr wie die Rolling Stones noch für die nächsten 40, 50 Jahre unterwegs sein?

Cole: Genau das ist der Plan. Wenn wir irgendwann in Brasilien spielen können, wie die Rolling Stones, dann gebe ich dir eine Millionen Dollar!

Haha, okay das merk ich mir!
Wie hältst du deine Stimme in Form? Hast du irgendwelche lustigen Warmsing-Techniken?

Cole: Nein, ich hab einfach nur Glück, da meine Stimme sehr stark ist. Ich hatte nie das Problem, dass ich meine Stimme verloren habe und ich sollte vermutlich noch etwas besser darauf achten, weil ich ziemlich viel Weed rauche und…uhm (lacht)… Ich muss wirklich besser darauf Acht geben. Aber Max und ich machen ein kleines Warm-Up, um unsere Stimmen aufeinander einzustimmen und uns vorzubereiten. Dafür gehen wir einfach alle Background Vocals durch, das dauert zehn Minuten.

Wie geht ihr mit der ganzen Aufmerksamkeit um, die euch jetzt erfährt, wo ihr bei einem Label unter Vertrag seid?

Cole (lacht): Es ist schon ziemlich hart und auch ein bisschen merkwürdig. Es gibt dir eine komische Wahrnehmung über dich selbst. Ich beschwere mich nicht darüber, denn die meisten Menschen würden dafür töten, um diese Aufmerksamkeit zu bekommen, die wir jetzt haben. Aber es ist trotzdem komisch. Du musst dir auch mal vorstellen, dass du während eines Tages so viele Menschen triffst, mit denen du nicht länger als 30 Minuten verbringst, und diese Leute kennen dich so viel besser, als du sie kennst. Das ist schon ein bisschen skurril, aber ich habe auch Angst, dass ich, wenn ich mich nicht mehr als normale Person wahrnehmen kann, auch nicht mehr in der Lage bin Texte zu schreiben. Manchmal muss ich das, was passiert ist, wirklich aus meinem Kopf verdrängen, damit es mein Ego nicht größer werden lässt und wir dadurch schlechtere Musik machen.

Du machst auch Visual Art, oder?

Cole: Ein bisschen ja, aber nicht mehr sehr oft. Jetzt, wo wir auf Tour sind, ist es nicht so leicht im Van. Wir lieben es aber alle zu zeichnen. Seb macht ziemlich coole Fotos, ich mag es zu zeichnen, Max zeichnet ebenfalls und schreibt ein bisschen.

Das, was du mir über Selbstwahrnehmung gesagt hast, wäre doch ein gutes Thema für eine Kunstshow.

Cole: Ja, dankeschön. Ich könnte die Idee von dir klauen (lacht)!

Lass uns mal ein bisschen mehr über die Fans reden: Ich habe das Gefühl, dass Fans manchmal vergessen, dass Musiker eben Musiker sind, um Musik zu machen und nicht um den ganzen Tag mit Fans zu verbringen.

Cole (lacht): Das Schlimme ist, dass viele Leute genau deshalb Musik machen, um berühmt zu werden und dadurch bekommen manche Fans den Eindruck, dass auch wir so sind. Das ist nicht ganz leicht. Ich spreche gerne mit all den Leuten da draußen, das sind alles sehr interessante Menschen und jeder macht sein eigenes cooles Ding. Ich möchte, dass sie alle richtig coole Dinge in ihrem Leben machen. Also, es ist schon hart, weil die meisten Fans nur so wenig Zeit mit dir verbringen und dann denken, sie kennen dich so gut, also packen sie alle Emotionen in diese 30 Sekunden, in denen sie mit dir reden.

Das ist vermutlich auch überwältigend.

Cole: Es kann sehr überwältigend sein. Aber es ist auch sehr faszinierend. Ich hatte erst gestern einen tollen Abend, als ich mit ein paar Fans gequatscht habe, die zu unserer Show in Berlin kamen. Sie waren mal ziemlich große Fans von Emily’s Army. Wir haben einmal eine Twitter Competition gemacht, wo wir gefragt haben „Okay, wer das beste Acoustic-Cover von „Emily’s Army“ macht, kann zu einer unserer Shows umsonst kommen.“ Aber sie kamen eben aus Deutschland, also hatten sie nichts davon. Aber sie haben gewonnen. Das ist schon ziemlich lange her, aber dann habe ich letzte Nacht mit ihnen geredet und ein Mädchen von ihnen ist jetzt Sängerin in der Heavy Metal Band New Greed aus Berlin und der andere ist jetzt Rapper und ist auch supercool. Das war wirklich ein spannender Moment, weil Fans, die sich auch mal von unserer Musik abwenden und auch mal andere Dinge probieren sind ziemlich cool.

Und ihr hängt auch mit euren Fans jeden Abend nach dem Konzert am Merch-Stand ab, hat Max mir in Köln erzählt.

Cole: Ja, wir versuchen es.

Also, was denkst du über bezahlte Meet & Greets. Ist das etwas, das ihr tun wollt oder findest du es etwas merkwürdig, wenn Fans Geld dafür bezahlen, um euch zu treffen?

Cole: Ich denke nicht, dass Zeit mit mir zu verbringen es wert ist, bezahlt zu werden. Also, ich würde wohl kein bezahltes Meet & Greet machen, aber ich würde auch niemanden verurteilen, der dies tut. Es ist ein einfacher Weg, um Geld zu machen. Aber momentan glaube ich persönlich nicht daran.

Als Fan würde ich mich sicherlich komisch fühlen, wenn ich weiß, dass die Person mich nur trifft, weil ich dafür bezahlt habe.

Cole: Genau! Ich würde lieber eine Zeit vereinbaren, zu der ich Fans einladen würde und die ersten die da sind, dürfen reinkommen.

Das wäre eine tolle Idee! Wenn ihr auf Tour seid, reist ihr sehr viel. Wie vertreibst du dir die Zeit, außer mit Spazierengehen? (Cole lacht) Hast du irgendwelche wilden Hobbies oder habt ihr irgendein lustiges Spiel erfunden auf Tour?

Cole (lacht): Wir alle lesen ziemlich viele Bücher und wir spielen auch ziemlich viel Schach. Das klingt jetzt bestimmt ziemlich angeberisch, das zu erzählen, aber es stimmt.

Haha, ihr seid also sehr smart, wenn ihr nur Bücher lest und Schach spielt!

Cole (lacht): Ja, es klingt wie ein Fake und definitiv viel langweiliger, als es ist. Aber unsere Schachspiele sind wirklich sehr hitzig. Wir fangen an uns anzuschreien.

Es ist also die Punk Rock Version von Schach.

Cole (lacht): Genau.

Kannst du eine besondere Tour-Anekdote erzählen?

Cole: Ja, wir waren einmal in Nebraska und sind gerade zurück gefahren von unserer letzten Tour in America und wir hielten an dieser Tankstelle, wo wir dieses Paar aus Nebraska mit ihren Kindern sahen. Sie waren gerade dabei, ihre Hunde dazu zu zwingen, sich zu vermehren. Ihr Rüde sollte die Hündin befruchten. Es war so absurd und sie haben dabei die verrücktesten Geräusche gemacht. Hast du jemals bisher Hunde schreien hören?

Nein, ich denke nicht.

Cole: Ich weiß nicht, ob du das hören willst, aber es war verrückt.

Ja, das wette ich. Das ist echt eine ziemlich verstörte Story, die du da erzählt hast.

Cole: Ja, falls du noch mehr von diesen Über-18 Storys hören willst, lass es mich wissen.

Nein, so was machen wir nicht auf GID (lacht).

Cole: Hell yeah, das ist was ich meine.

Ich war überrascht, dass ihr nicht den Song „Drive North“ auf dieser Tour spielt. Warum?

Cole (lacht): Ich weiß, es ist lustig. Der ist auch auf unserem Merch. Ich glaube einfach, es ist einer unser schwersten Songs und diese Fans….für viele ist es das erste Konzert überhaupt. Auf anderen Shows spielen wir „Lose It“ oder „Turn Up“ nicht so oft, also haben wir die Möglichkeit genutzt, um sie dann zu spielen, wenn die Fans ein bisschen offener sind gegenüber soften Songs.

Spielt ihr es auf der nächsten Headline Tour trotzdem?

Cole: Ja, definitiv!

Das ist super, weil ich es wirklich gerne live sehen würde.

Cole: Wir haben es tatsächlich in Berlin letzte Nacht gespielt.

Oh, verdammt! Okay, gut für Berliner Fans, schlecht für mich, haha.

(Cole lacht)

So, lass uns über das Album sprechen! Ihr habt „Drive North“ zunächst selbstständig veröffentlicht, habt dann aber bei Fueled by Ramen im Herbst unterschrieben und das Album noch einmal veröffentlicht. Warum habt ihr euch dazu entschieden, die Unabhängigkeit abzugeben und letztlich doch bei einem Label zu unterschreiben?

Cole: Wir haben die Regel, dass wir nichts für uns ausschließen wollen, weil wir uns auch nicht einschränken wollen.

Das ist eine gute Regel.

Cole: Danke: Wir dachten immer sehr stark daran, dass unabhängig zu sein, der richtige Weg ist. Als wir dann aber Fueld by Ramen trafen und wir realisiert haben, dass sie uns eigentlich nur unterstützen wollen indem, was wir tun, war es klar, dass es für uns nur Vorteile geben könnte, wenn wir unterschreiben. Das sind wirklich tolle Leute, die Musik lieben und genau wissen, was sie tun und das ist genau das, was man bei einem Label haben möchte.

Ich finde Fueled by Ramen ist ein wirklich tolles Label, weil sie sich speziell auf Rockmusik fokussieren. Ich habe mit einigen Bands gesprochen, welche bei großen Major Labels unter Vertrag sind, die aber gleichzeitig auch viele Mainstream Popartists unter Vertrag haben und sich hauptsächlich eben auch auf die Justin Biebers der Welt konzentrieren, weil sie mit ihnen Geld machen können. Kleinere Rockbands leiden dann schließlich darunter und müssen oftmals lange warten, bis ihre Musik veröffentlicht wird.

Cole: Genau. Das war das letzte, was wir wollten. Deshalb haben wir es zunächst selbst versucht.

Ihr kommt aus dem East Bay in Kalifornien, was gleichzeitig auch ein historischer Ort für Punkmusik ist. East Bay Punkbands wie Operation Ivy, The Replacements, Rancid, Green Day, AFI haben die Rockmusik in den 80ern und 90ern sehr beeinflusst. Wie beeinflusst euch das als Band und wie hat es dich auch persönlich als junger Musiker beeinflusst?

Cole: Ich denke immer wieder, wie glücklich ich mich schätzen kann, dass ich mit diesen Vorbildern aufgewachsen bin, weil sie eben so viel für die Rockmusik getan haben und gleichzeitig auch andere dazu gebracht haben, ehrliche Songs zu schreiben. Also bin ich wirklich sehr dankbar, dass ich von dieser Ehrlichkeit umgeben war und mir davon etwas abgucken konnte. Nicht nur die Musik, sondern auch….weißt du….all diese Bands sind so sehr mit dem Ethos des Punkrock verbunden, nicht nur mit der Musik. Und sie alle zeigen, nur weil du ein Musiker bist, heißt es nicht, dass du nicht auch Visual Art machen kannst oder deine eigenen Shows machen kannst. Deine Welt ist nicht begrenzt, wenn du daher kommst, wo wir herkommen und das ist ziemlich cool. Es geht komplett um die „Do it Yourself“-Kultur. Das heißt nicht „Do it alone“, sondern es heißt „Do it Yourself“ und achte darauf, dass du deine eigenen Entscheidungen triffst. Das ist wirklich etwas Spezielles, denn viele Bands, die woanders herkommen, haben diese Einstellung nicht und am Ende unterschreiben sie einen schlechten Plattenvertrag, welcher ihnen all ihre kreative Freiheit wegnimmt und das ist doch genau das, was du nicht möchtest.

Viele Bands strömen nach LA…

Cole: Yeah!

Drive North!

Cole (lacht): Richtig!

Ihr habt euer Album mit Fidlar’s Zac Carper aufgenommen und ich habe gehört, er hat einige merkwürdige Techniken genutzt, um euch zu motivieren. (Cole lacht). Also bitte, erzähl uns mehr!

Cole: Für einige Songs mussten wir an finstere Orte gehen, um die richtigen Vocals aufzunehmen. Also hat er uns im Studio eingeschlossen, alle Lichter ausgeschaltet und uns nicht gesagt, wann wir wieder rauskommen dürfen. Und er hat nur willkürlich auf Aufnahme gedrückt. Er hat auch einen geheimen Weg gefunden, um unentdeckt ins Studio zu gelangen und dann im Aufnahmeraum herumzulaufen und dir Angst einzuflößen.

Und du bist nicht traumatisiert?

Cole (lacht): Unsere Beziehung wird jetzt erst besser.

Haha, du hast also jetzt erst angefangen, ruhig zu atmen in seiner Anwesenheit?

Cole (lacht): Ja, genau!

Als ich euer Album zum ersten Mal gehört habe, habe ich ehrlich gesagt nicht sehr viel erwartet, weil ich euch erst durch die Green Day Connection entdeckt habe (SWMRS Drummer Joey Armstrong ist der Sohn von Green Days Billie Joe Armstrong) und dann dachte ich „Ahja, der Sohn eines Rockstarts. Der macht bestimmt dieselbe Art von Musik, wie sein Vater“ (Cole lacht). Also war ich ein bisschen voreingenommen, aber dann war ich fast ein bisschen überrascht, weil euer Sound wirklich sehr einzigartig und speziell ist. Das hat mich doch sehr begeistert über euch als Band (?). Wie hat sich euer Sound entwickelt zu dem, was wir jetzt auf „Drive North“ hören können?

Cole: Danke! Ich denke…so wie ich es am besten beschreiben könnte: da ist ein kleiner Texter und ein kleiner Musiker, die beide in deinem Kopf leben und daraus entstehen deine kreativen Ideen. Für uns ist es wichtig, dass der Texter es fühlt, damit es echt rüberkommt. Also, was wir machen….wir sind aufgewachsen mit Musik….wir haben Spotirfy, also können wir alles anhören, was wir wollen. Wir mussten nie entscheiden, zu welchem Genre wir gehören wollen, aber wir waren hauptsächlich von Rockmusik umgeben, also war das für uns schon eine Art Basis. Aber von da an gab es keine Grenzen, was wir uns anhören wollen. Also, all die kleinen Texter in uns wurden gefüttert von A Tribe Called Quest, Kraftwerk und vielen anderen Dingen. Wenn dieser Texter also zum Vorschein kommt, hat er all die verschiedenen Einflüsse. So hat es bei uns begonnen, damit es sich wie etwas Eigenes anhört.

Seit Spotify kann man sagen, dass Genre eher ausgestorben sind.

Cole: Ja, hoffentlich.

Aber es ist interessant zu hören, dass du auch durch Hip Hop Musik inspiriert wirst. Hast du noch irgendwelche anderen Künstler, die dich inspiriert haben?

Cole: Mit Freunden zu arbeiten macht immer am meisten Spaß. Ich hab also Freunde, die rappen oder Freunde, die Beats kreieren und das ist immer sehr inspirierend. Momentan gibt es keine junge Rockband, die groß und weltweit bekannt ist. Im Rap hingegen gibt es genug, wie z.B. Lil Yachty. Er ist echt bekannt und jeder respektiert ihn. Doch eine Band wie ihn gibt es momentan eher nicht. Und die Bands, die damit vergleichbar sind, werden immer älter. Sie hatten diese großartige Karriere, wie Green Day, die auch extrem bekannt sind und von jedem respektiert werden. Daher schauen wir eher auf den Rap, wenn es darum geht, wie sich Karrieren entwickeln. Wie kann man eine solche Entwicklung in die Rockmusik bringen? Hoffentlich hören so viele Leute, wie möglich, unsere Musik und wir kriegen ihre Anerkennung, weil es echt ist.

In der Rockmusik hast du immer das Problem, dass die Leute gleich „Ausverkauf!“ rufen, wenn eine größere Band, wie z.B. Green Day, bei einem Major Label unterschreibt. Es ist immer das gleiche und es ist so dumm!

Cole: Das ist es. Zum Glück hatten wir bisher nichts damit zu tun, gerade auch wegen Spotify und weil inzwischen alles sehr unscharf getrennt ist im Business. Die Leute denken nur, dass gute Musik eben gute Musik ist und hoffentlich weiß das auch jeder. Eine meiner momentanen Lieblingsbands ist die Rapband Run The Jewels, weil sie so punk sind in dem, was sie tun und sagen. Sie setzen sich keine Grenzen. Nur, weil sie eine Rapband sind, heißt das nicht, dass sie nicht auch eine der größten Punkbands sein können, die ich je gesehen hab. Wenn du sie mal live siehst, erinnern sie dich total an The Clash.

Was inspiriert dich am meisten, wenn du Songtexte schreibst?

Cole: Ich bin mir gar nicht sicher. Manchmal fließen sie einfach so aus mir raus. Ich glaube, damit deine Texte ganz leicht rauskommen und auch Sinn ergeben, musst du ein bisschen abgelenkt sein. Du kannst nicht zu sehr auf sie fokussiert sein und zu viel darüber nachdenken. So entstanden meine besten Texte, während ich gemalt habe, Tagebuch geschrieben habe, Musik gehört habe oder eben einfach spazieren gegangen bin. Auf Tour gehen ist das Beste, um Songs zu schreiben, sowohl für mich als auch für Max, weil wir beide gerne rausgehen und uns ein paar Orte angucken. Wir lieben es, neue Dinge zu entdecken und während wir unterwegs sind, kommen die Texte manchmal wie von selbst zu uns.

Besonders, wenn du an neuen Orten bist, kann ich mir vorstellen.

Cole: Genau, daher ist Touren wirklich sehr inspirierend, weil dich ständig so viele neue Dinge anregen.

Welcher ist dein Lieblingssong auf dem Album und warum?

Cole: Ich glaube „Lose It“ ist wahrscheinlich mein Favorit, weil eine ganz spezielle Energie herrscht, die wir eingefangen haben. Es ist ein wirklich einfacher Song und eine ziemlich spärliche Produktion, aber es ist auch etwas, das nicht leicht war für uns, weil wir damit aufgewachsen sind, schnelle Punkrocksongs zu spielen und das war einer der ersten Songs, den wir aufgenommen haben und wo wir dachten: „Oh, wir können noch etwas anderes machen und es kann trotzdem immer noch wie SWMRS klingen!“

Das muss eine großartige Erfahrung sein, weil doch viele Bands am Anfang oftmals an ihrem Sound kleben bleiben.

Cole: Ja!

Also, welche Künstler oder Alben laufen bei dir gerade in Dauerrotation?

Cole: Die Band „Toys That Kill“. Ich hab mir Ihr Album “Fambly 42” non-stop angehört. Und dann noch das zweite Kraftwerk-Album.

Ich hätte nie gedacht, dass du Kraftwerk hörst.

Cole: Ich liebe Kraftwerk. Das ist auch der Grund, warum „Hannah“ so klingt, wie es klingt.

Ah, okay! Viele Bands haben sich in der letzten Zeit getrennt. Ich habe das Gefühl, dass sich letztes Jahr fast die Hälfte aller Bands, mit denen ich aufgewachsen bin, getrennt hat. Was lässt euch weiterhin als Band zusammenbleiben? Ihr seid ja schon sehr lange als Band unterwegs.

Cole: Ja, ich glaube, das, was uns am meisten verbindet ist, dass wir vorher schon Freunde waren. Wir sind sozusagen beste Freunde. Wir hängen auch jeden Tag zusammen ab, wenn wir mal nicht auf Tour sind. Wenn man dieses tiefe Verständnis füreinander hat und wie jetzt – [Cole fängt plötzlich an zu lachen ] – sie laufen hier einfach her und lachen mich aus – was uns dann zusammenhält, ist einfach die Tatsache, dass wir uns verstehen und miteinander sehr offen reden können, ohne dass es unangenehm wird. Andere Bands werden oftmals professionell zusammengestellt, sie stellen neue Leute ein. Und das ist merkwürdig, weil du diese ganze verdammte Zeit mit jemanden verbringen musst, den du nicht wirklich kennst und wenn du jemanden vor der Tour noch nicht gut kennst, kann es ziemlich unangenehm werden.

Ihr habt inzwischen auch euer eigenes Festival veranstaltet, The Uncool Fest in Gilman. Aber wenn du die Möglichkeit hättest, dein eigenes Festival irgendwo auf der Welt zu veranstalten, mit Bands deiner Wahl. Wie würde es aussehen? Hätte es ein spezielles Thema und welche Bands würden spielen?

Cole: Okay, es wäre wohl in Oakland, Kalifornien. Die Headliner würden SWMRS und Vince Staples sein, dann würden wir noch PWR BTTM spielen lassen, wir hätten Twin Peaks und wir würden….wir haben ein unbegrenztes Budget, richtig?

Richtig!

Cole: Okay, Ice Cube, wir würden wohl auch noch Snoop Dogg holen und Jawbreaker, Run The Jewels. Wir würden auch noch….vielleicht….wen würden wir noch buchen, also an Rockbands? Fidlar würden spielen! Cloud Nothings auch. Und die Rolling Stones.

Ha, natürlich!

Cole: Yeah, aber sie sind nicht die Headliner. Nur SWMRS und Vince Staples sind die Headliner.

Natürlich nicht. Die Stones sind eure Vorgruppe.

Cole: Ja (lacht), und wir würden hoffentlich auch….irgendwie würden wir es so machen, dass jede lokale Band, mit der wir befreundet sind, auch spielen wird. Weil du hast zuhause viele Freunde, die du magst, und du magst ihre Bands und sie sagen immer „Yo, wir sollten eine Show zusammen spielen!“ und ich sage dann immer „Ja, das sollten wir“, aber ich weiß nicht, wann das passieren wird, weil wir einfach so viel zu tun haben. Also, irgendwie würden wir dieses Festival nutzen, wo wir mit jedem spielen, mit dem wir spielen wollen.

Was ist mit Miley Cyrus?

Cole: Ja, sie würde auch ein Set spielen. Sie wird mit Wayne Coyne von Flaming Lips spielen.

Großartig! Ich kann dieses Festival kaum noch erwarten!

[Cole lacht]

Findest du es wichtig, wenn Künstler über gesellschaftspolitische Themen singen? Besonders in Zeiten wie jetzt, wo Rassismus und Hass wieder aufblüht?

Cole: Ich bin der Meinung, dass niemand Politik zu sehr in seine Lyrics einbringen sollte, weil nichts ist schlimmer, als wenn eine Band zu sehr versucht etwas zu sein, das sie nicht ist. Wir sind alles sehr politische Menschen, aber SWMRs momentane Musik muss nicht unbedingt politisch sein, denn um politisch wichtige Texte zu schreiben, sollte es von selbst kommen. Aber das heißt nicht, dass wir es nicht unterstützen, dass die Menschen den Mund aufmachen und sichergehen, dass sie die Plattform nutzen, um sich mehr Gedanken um die Zukunft ihres Landes zu machen. Wir selbst versuchen, die Leute dazu zu bringen, es zu lernen, selbstständig zu denken, weil es sehr viele Menschen gibt, die anderen zu sehr folgen – egal aus welchem politischen Spektrum sie kommen. Und diese Follower-Mentalität kann nur solange gut gehen, bis jemand kommt und sie in etwas Schlechtes verwandelt. Also wenn jeder ein bisschen mehr für sich selbst denkt und sich in einem 10 Meter Radius umschaut, und dieser 10 Meter Radius auch die Welt ist, in der er leben möchte, wäre die Welt ein besserer Ort. Also müssen Künstler schon ihre Aussage unterstützen.

Das ist ein guter Punkt, um ein Interview zu beenden! Ich wünsche euch eine tolle Show heute Abend. Viel Spaß in Europa!

Cole: Danke!

Ihr fliegt aber auch schnell wieder zurück in die USA, richtig?

Cole: Ja!

Dann eine gute Reise und grüß die anderen!

Cole: Dankeschön, einen schönen Tag noch!

SWMRS twitterten gestern, dass sie in diesem Herbst für einige Headlineshows nach Europa zurückkommen werden, also schaut mal auf ihrer Website vorbei! Das Album „Drive North“ ist jetzt draußen und kann in jedem gut sortierten Plattenladen erworben werden.

0 Gedanken zu „Interview mit Cole Becker von SWMRS

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

%d Bloggern gefällt das: