Album Review: Nine Inch Nails – Bad Witch

Die Trilogie Nine Inch Nails, die vor drei Jahren mit Not the Actual Events ihren Anfang nahm, wird nun endlich mit Bad Witch komplett. Das neue Album ist dabei das seltsamste und ambitionierteste. Während die ersten beiden Veröffentlichungen der Trilogie den typischen Nine Inch Nails Klang haben, hört und fühlt sich Bad Witch komplett anders an. Trent Reznor experimentiert viel auf der Platte, so dass es zu einem eigenartigen, aber faszinierenden Hörerlebnis wird. 

Das Album lockt mit dem ersten, sehr hartem, Song “Shit Mirror”. Der Track beinhaltet die ganze Wut und Härte, die man von Nine Inch Nails erwartet. “Ahead of Ourselves” hat eine ähnliche Atmosphäre mit einem Refrain, der mit so einer krassen Aggression und Lautstärke auf einen niederbricht, dass es einen fast aus dem Konzept bringt. Diese zwei Songs haben einen sehr starken Broken Vibe, weil sie so brutal, laut und heftig sind. Aber es ist der Rest des Albums, der die Sache interessant macht.

Viele der Songs haben nur wenige bis zu gar keinen Gesangsparts. Es erinnert sehr an Reznors Ghost I-IV, aber hier geht er noch weiter. Mit “God Break Down the Door” haben wir schon einen ersten Vorgeschmack dieser neuen Richtung bekommen. Während die rasanten Elektroklänge und die wuchtigen Percussions ohne Zweifel typisch Nine Inch Nails sind, macht die Mischung aus Jazz und Reznors eigenartigem melodischen Gesang die Songs so ungewöhnlich. Man hört sehr deutlich, dass David Bowies letztes Werk “Blackstar” ein großer Einfluss für den Song war.

“Play the Goddamned Part” beinhaltet Acid House Rhythmen, die von wilden Saxophon Solos unterbrochen werden. Sonderbare gedämpfte Laute, die sich wie Schreie anhören, vermischen sich mit der Musik und erschaffen eine düstere Atmosphäre. Ähnlich sieht es mit “I’m Not From this World” aus. Der Track könnte Teil eines Horrorfilm Soundtracks sein. So unbehaglich fühlt man sich beim Hören. 

Der letzte Song “Over and Out” zieht einen mit seinem eingängigen Groove sofort rein. Mitten drin wird es plötzlich ruhig, während Reznor “Time is running out/I don’t know what I’m waiting for” singt. Der Song blendet zum Ende hin langsam aus und man hat nur noch ein Rauschen im Ohr. Es ist fast schon hypnotisch. Man kann sich leicht in diesem Track verliehen, vor allem, weil er aus so vielen verschiedenen Schichten besteht.

Bad Witch ist ein einzigartiges, atmosphärisches Hörerlebnis, welches nicht direkt beim ersten Hören erkennbar wird. Es lohnt sich aber, das Album öfter anzuhören, um es wirklich zu schätzen. Reznor packt so viel in diese 30 Minuten, dass man immer wieder Neues entdecken kann. Die ganze Trilogie scheint die vielen Seiten von Nine Inch Nails zu repräsentieren: aggressiv und heftig (Not The Actual Events), packend und introspektiv (Add Violence), und eine Mischung aus Zukunft und Vergangenheit (Bad Witch). 

Bad Witch Tracklist:

Shit Mirror
Ahead of Ourselves
Play the Goddamned Part
God Break Down the Door
I’m Not From this World
Over and Out

Nine Inch Nails - Bad Witch
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