Album Review: Bring Me The Horizon – Amo

Veröffentlicht am 25. Februar 2019

Wenn man die fünf Jungs aus Sheffield/UK über die letzten Jahre verfolgt hat, sollte man von den Veröffentlichungen eigentlich nicht mehr überrascht sein. Die Reise begann als Deathcore-Newcomer und nun steuert Bring Me The Horizon darauf zu, die neue große Mainstream-Band zu werden.

In meinen Fokus ist die Band erst mit dem dritten Album „There Is A Hell…“ gerückt. Der bei vielen kontroverse Nachfolger „That’s The Spirit“ avancierte sogar prompt zu meinen Favoriten. Deshalb war ich auch gespannt, was amo nun zu bieten hat. In der Promo-Phase vor dem Release, hat die Band auch sehr gut Verwirrung gestreut. Mit der ersten Auskopplung „Mantra“, welche die Promo zum damals noch unangekündigten neuen Album einleitete, schien es erstmal so, als wolle man am Vorgängerwerk anknüpfen wollen. Das, meiner Meinung nach, recht roh abgemischte „Wonderful Life“ schien diese Schiene weiterzuführen. Vermutlich bin ich dadurch, wie viele andere auch, in die Falle getappt. Denn danach folgten mit „Medicine“, „Mother Tongue“ und „Nihilist Blues“ ein poppiger, ein noch poppigerer und ein elektronisch beladener Track. Das hatte man nun nicht erwartet.

Schauen wir uns das Album aber mal von vorne an: Das Intro „I Apologise If You Feel Something“ legt mit seinen elektro-poppischen Beats und den verzerrten Vocals erneut erst einmal eine falsche Fährte. Denn danach folgt die erste Single „Mantra“ und dominiert mit seinem verzerrten Rocksound und dem catchy Refrain. Dieser eignet sich bestens zum mitsingen und kam auch live auf den Sommerfestivals und der Herbsttour 2017 sehr gut an.

Beim nachfolgenden Song “Nihilist Blues” werden die Gitarrenriffs aber erstmal wieder eingepackt. Jordan Fish hat die dominierende EDM Beats zum Track beigesteuert, während Oli Sykes Gesang ziemlich verzerrt wird. Als Unterstützung steuert noch die kanadische Sängerin und Produzentin Grimes ihre Stimme bei. Da Grimes selbst elektronisch beeinflusste Musik produziert, passt sie hier perfekt in die Nummer hinein. In Clubs und auf Konzerten besteht hier durchaus Tanzpotential. Anschließend verlassen wir wieder die moderne Discotanzfläche und gehen über in Rock/Pop.

„In The Dark“ ist ein weiterer Song, der durchaus Radiopotenzial und einen hohen Ohrwurmfaktor hat. Danach geht das Hangover-Programm mit Dani Filth von den britischen Dark Metal Legenden Cradle Of Filth los. Neben „Mantra“, „Sugar Honey Ice & Tea“ und „Heavy Metal“ die lautesten Nummern der Platte. Bei allem anderen hätte Filth vermutlich auch nicht mitgemacht. “Ouch” ist für mich leider der Name, der Programm ist: für mich ist dieser Song der schwächste Track der Platte. Der elektronische Sound an sich ist weniger das Problem, aber “Ouch” hat einfach zu viele Vocal- und Soundsamples. Das holt mich leider überhaupt nicht ab. Mit dem nächsten Song, bekommt man aber passend etwas „Medicine“. Sehr poppig, sehr catchy und ein gottverdammter Ohrwurm. Neben „Mother Tongue“ das Lied, was sich am besten im Radio spielen lässt. 

Weil hier ein guter Wechsel zwischen laut/intensiv und elektronisch/poppigen Sounds stattfindet, ist es etwas überraschend, dass „Why You Gotta Kick Me Down?“ eben wieder in diese Rolle fällt.  Das letzte Woche veröffentlichte Lied „Mother Tongue“, welches von vielen Fans als Coldplay-Kopie belächelt wurde (da war doch vor ein paar Jahren mal was), lädt wieder zum mitsingen ein und klärt thematisch auch über den Titel und das Konzept der Platte auf. „Amo“ ist nämlich portugiesisch für „Liebe“. Jetzt macht natürlich auch der Titel der Tour, „First Love Tour“, im Nachhinein mehr Sinn.

Zum Schluss des Albums wird, wie vorhin bereits erwähnt, mit dem Song „Heavy Metal” nochmal aufgedreht. Für etwas Abwechslung und Crossovergefühl sorgt hier der Gastpart vom US-amerikanischen Beatboxer Rahzel. Als großes Finale fahren die Streichinstrumente und Akkustikgitarre zum Beginn von „I Don’t Know What To Say“ auf. Dieser Song ist mein persönlicher Geheimfavorit, weil ich dann doch hier und da auch gerne mal klassische Musik höre. Nach zwei Minuten wird das ganze etwas intensiver, weil die Streichinstrumente länger und melodischer werden, sowie Bass und Gitarre dazukommen.

Diese Platte zu rezensieren ist definitiv eine große Herausforderung. Nach dem ersten Durchgang war ich überwiegend enttäuscht. Doch mit jedem Durchgang wuchs das Interesse und die Begeisterung. Man muss sich einfach damit abfinden, dass Bring Me The Horizon keine Metalband mehr sind und ihren Musikkatalog erweitern wollen. Einzig der eher düsteren Themen der Songs ist die Band treu geblieben. Sie schreiben wohl lieber Songs über dramatische oder negative Dinge. Wenn man bedenkt, was Oli Sykes in den letzten Jahren durchgemacht hat, ist das auch wenig verwunderlich. Wir empfehlen beim ersten Hören von amo erst einmal auszublenden, dass dies gerade Bring Me The Horizon sind. Mit dieser Platte werden die fünf Briten auf jeden Fall für viel Zwiespalt in der Fangemeinde sorgen. Ich persönlich mag die Platte, aber einige Songs auch nicht so. Aber vielleicht wird diese Beziehung mit der Zeit auch etwas harmonischer. Schließlich geht es ja um die Liebe.


* Affiliate-Link: GENRE IS DEAD! erhält eine Provision für deinen Einkauf. Der Artikel wird dadurch nicht teurer.

Bring Me The Horizon - Amo
  • Unsere Bewertung
4

Unser Fazit

Bring Me The Horizon haben mit amo ein kontroverses Album herausgebracht und verabschieden sich endgültig von dem Image als klassische Rock- und Metalband. Der neue Sound ist ungewohnt, bringt aber frischen Wind in die Musikindustrie.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

%d Bloggern gefällt das: